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Kleidung von „armedangels“: Deutschlands erste „Social Fashion“


Noch steckt die Kollektion „armedangels” der beiden Kölner Jungunternehmer, Anton Jurina und Martin Höfeler, in den Kinderschuhen. Dass ihre schicke und fair gehandelte Kleidung die Jury des Gründerwettbewerbs der „Wirtschaftswoche“ soweit überzeugt hat, dass sie jetzt mit ihrer Geschäftsidee den ersten Platz erlangten, verspricht den weiteren Erfolg der beiden Betriebswirtschaftswissenschaftler. In ihrer Studentenbude in der Kölner Innenstadt heckten die beiden jungen BWL Studenten den Plan für ihre Geschäftsidee mit den schicken, fair gehandelten Klamotten aus. „Öko ist in“, war ihre Überzeugung, „und muss endlich aus der Batik-Ecke raus.“ Also schufen sie mit dem jungen Modelabel, „armedangels“, sexy Öko-Wear und das erste deutsche Social Fashion Label. „Das entspricht nicht nur dem Zeitgeist, sondern auch dem Wunsch der Verbraucher, die heute mehr denn je mit gutem Gewissen konsumieren wollen“, betont Höfeler. Das Konzept: Bilder und Schriftzüge weltbekannter Designer werden auf fair gehandelter und pestizidfrei hergestellter Kleidung aufgedruckt. Auch Kunden können Entwürfe per Internet einreichen und bewerten lassen. Die besten werden produziert.

Wer das neue Hauptquartier der armedangels
im Belgischen Viertel in Köln durch­quert, steuert unweigerlich auf das weiße Besprechungszimmer zu. In der Mitte steht ein imposanter Konferenztisch, der an seiner Kante mit einem Spiegelmosaik wie bei einer Discokugel verziert ist. Was nach einem teuren Designer-Stück aus­sieht, entstand in Wirklichkeit in Eigenarbeit. „Zu einem Bruchteil der Kosten aus dem Stilwerk-Katalog“ versichert Anton Jurina und klopft auf Holz. Der 28jährige Mitgesellschafter des Streetfashion-Labels schätzt solche Hemdsärmeligkeiten. Juri­na weiß, wie die Geschäftswelt der Risikokapitalgeber und Konzernstrategen funkti­oniert. Schließlich hat er bereits während des Studiums der Betriebswirtschaftslehre und später als Diplomand in Unternehmensberatungen und einer Venture-Capi­tal-Firma gearbeitet. Für ihn Grund genug in Jeans und Sweatshirt am Do-It-Your­self-Tisch zu sitzen und ausgiebig zu erklären, wie es auch anders laufen kann. Mitgesellschafter Martin Höfeler (25), der als geschickter Handwerker den Tisch konstruiert hat, schiebt die Ärmel seiner roten Trainingsjacke hoch und ergänzt: „Ei­gentlich wollen wir Sachen machen, die wir selber gerne tragen.“

Unprätentiöser Style und soziales Engagement

So lauGoldstück Girls Teetet die simple wie nachhaltige Formel, mit der Jurina und Höfeler seit Frühjahr 2006 ihre eigene Marke entwickelt haben. Damals waren sie noch umtriebige Studenten, die sich im Team der Kölner Universitäts-Initiative OFW kennen gelernt hatten, die alle zwei Jahre den renom­mierten Kongress „World Business Dialogue“ organisiert. „Ein gutes Training um Ei­geninitiative zu entwickeln, wenn man aus dem Nichts so eine Riesenveranstaltung stemmen muss“ erinnert sich Höfeler. Doch trotz diverser Praktika und Auslands­semester in Spanien, Melbourne und Miami stand ihnen nicht der Sinn nach einer klassischen Management-Karriere. „Dafür hatten wir einfach zu viele popkulturelle Interessen“, sagt Anton Jurina. „In unserem Bekanntenkreis gab es zig Talente, die nicht genau wussten, was sie mit ihrer „Kunst“ anfangen sollten. Da war es letztlich nur noch ein kleiner Schritt aus dem bestehenden Netzwerk heraus eine Start-Up-Firma zu gründen.“

„Dazu kam eine Art Schlüsselerlebnis“ erzählt Martin Höfeler „als wir von einem zentral gelegenen Fenster das ArtisenneTreiben auf der Kölner Shopping-Meile Mittelstraße beobachteten. Beim Anblick dieser Flagstores und Edel-Boutiquen wurde uns klar, dass es nicht einfach um ein weiteres Logo auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten gehen konnte. Da musste mehr passieren.“ Sie prägten den Begriff “Social Fashion“, der es ihrer Communi­ty ermöglichte, sowohl eigene Designs einzusenden als auch über die Entwürfe von armedangels abzustimmen. Zudem hatten die Beiden bereits diverse Drähte zu karitativen Projekten gespannt, die durch armedangels® unterstützt werden sollten. Der Aufbau eines Schulnetzes in Santa Cruz, Bolivien geriet in Kooperation mit dem ehrwürdigen Kolpingwerk zur ersten Maßnahme. Eine ungewöhnliche Verknüpfung für einen guten Zweck. Der Debut-Kollektion schien nichts mehr im Wege zu stehen.

Social Fashion

„Doch dann haben wir uns mit den Produktions-Verhältnissen in der Dritten Welt beschäftigt“ sagt Höfeler „und die kaputtesten Geschichten mitbekommen: Umweltsauereien, Kinderarbeit, Billiglöhne. Für uns war klar, dass man im Jahre 2007 gar nicht erst antreten braucht, wenn man nicht fundamental andere Wege beschreitet.“ Während internationale Designer ihre Schnitte und Motive für die armedangels-Linie entwarfen, haben Höfeler und Jurina eine alternative Produktionsstätte in Portugal gefunden, die pestizidfreie, organische Baumwolle verarbeitet. Damit ist armedangels in der Lage, höchste Qualität unter dem FAIRTRADE-Siegel zu garantieren. Der lange Weg von der Idee zum Social Fashion Label hat sich gelohnt.

Hilfsprojekte der Engel

Anstatt das nächste Revival einzuläuten, geht armedangels
einen Schritt weiter. Mit der ersten Kollektion (T-Shirts, Longsleeves, Sweatshirts und Tops) wird der Begriff des Social Fashion Label Dandy En Francaisdefiniert. armedangels betreibt keinen Nischen-Kult, sondern kombiniert qualitativ hochwertige Designs mit einer kompromisslosen Absage an Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltverschmutzung. Alle Produkte von armedangels werden bei einem FAIRTRADE-zertifizierten Produzenten in Mauritius hergestellt, der pestizidfrHilfsprojekte der Engelei angebaute Baumwolle und faire Abnahmepreise für die Erzeuger garantiert. Saubere Mode also, die zudem mit ausgesuchten Hilfsprojekten in aller Welt verbunden ist. Am Anfang steht der Aufbau von Schulen in Santa Cruz, Bolivien. Jedes verkaufte Produkt unterstützt diese Initiative mit 3,33 Euro. Der auf die erste Kollektion gedruckte Slogan „from armedangels to Santa Cruz“ kündet davon. Für künftige Aktionen stehen bereits das vielschichtige Hilfsprogramm „Yéle“ von Fugees-Frontmann Wycleff Jean in Port aux Prince, Haiti oder das brasilianische Favela-Modell „Fight For Peace“ des ehemaligen Boxers Luke Dowdey auf der Agen­da. 


Die Marke armedangels startet zunächst im Internet, bevor sie Anfang 2008 auch in 15 ausgesuchten Shops in Deutschland erhältlich ist. Im zweiten Halbjahr kommen dann Läden in Österreich und in der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien dazu. Es folgt die Erweiterung der Kollektion um Trainingsjacken und Taschen. Als zentrale Vertriebs- und Kommunikationsplattform kombiniert die Website armedangels.de vielfältige Funktionen. Darüber hinaus können Nachwuchs-Designer ihre Entwürfe direkt an armedangels.de senden. Auf diese Weise ist die community an der Zukunftsgestaltung von armedangels beteiligt.

Finanzspritze für nachhaltiges Startup

Mit ihrer den Zeitgeist treffenden Idee, einem stimmigen Geschäftsmodell und Elan überzeugten Jurina und Höfeler schließlich auch die Jury des Wirtschaftswoche-Gründerwettbewerbs und erhielten für den ersten Platz ein Preispaket von über einer Viertelmillion Euro. So wird eine Schweizer Beratungsfirma die jungen Geschäftsleute bei der Suche nach Investoren unterstützen, eine Personalberatungsfirma hilft bei der Mitarbeitersuche, Werber von Jung van Matt unterstützen bei der Marken- und Kommunikationsstrategie und eine Anwaltssozietät berät das Startup bei Vertragsfragen. Fünf Mitarbeiter haben Jurina und Höfeler bereits eingestellt. Im nächsten Jahr wollen sie mindestens 15 Boutiquen in Deutschland und 15 weitere im Ausland mit ihrer Social Streetwear beliefern. Auch Roland Tichy, Chefredakteur der Wirtschaftswoche und Jurymitglied, ist zuversichtlich: „Kaum gestartet, haben die Gründer erste Arbeitsplätze geschaffen. Ihre Vision passt perfekt zum aktuellen Fairness-Trend. Solche Gründer brauchen wir.“

ss

www.armedangels.de




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