Etwa alle 40 Sekunden rülpst ein Rind. Dabei entweicht Methangas in die Atmosphäre, das etwa 23-mal so klimaschädlich ist, wie CO2. Bei 1,5 Milliarden Rindern weltweit sowie etwa 1,7 Milliarden ebenfalls Methanbäuerchen ausstoßenden Schafen und Ziegen, kommt so die ungeheure Summe von rund 80 Millionen Tonnen des für die Atmosphäre so schädlichen Gases jährlich zusammen.
Weil heute kaum jemand auf die lieb gewonne Gewohnheit verzichten möchte, mindestens einmal am Tag in ein gegrilltes Steak, eine saftige Bulette, eine deftig gewürzte Bratwurst oder als light Variante, die Putenbruststreifen auf dem Salat, zu beißen, ist die logische Folge der Fleischeslust die Massentierhaltung. Über 84 Kilo Fleisch verzehrt im Durchschnitt jeder Deutsche jährlich – Vegetarier und Kinder eingerechnet. Von der Wiege bis zur Bahre kommen so sage und schreibe 22 Schweine, sieben Rinder, 20 Schafe, 600 Hühner und ein paar Rehe und Hirsche auf jeden Durchschnittsdeutschen.
Viehzucht: eine verheerende Bilanz
Das Darmstädter Öko-Institut hat errechnet, dass immerhin 16 Prozent der Treibhausgasemissionen durch privaten Konsum, von der Ernährung herrühren – die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zieht ebenfalls eine verheerende Bilanz: Der Beitrag der Viehzucht zum Treibhauseffekt liegt bei 18 Prozent, das ist mehr als der gesamte globale Verkehr ausmacht. Bis das Essen vom Stall oder der Weide auf dem Tisch angelangt, werden jede Menge Klimakiller freigesetzt. Das gilt natürlich auch für die ökologische Landwirtschaft, selbst wenn deren Produkte in der Klimabilanz häufig besser abschneiden als Vergleichbares aus konventionellem Anbau.
Mit gutem Gewissen in Maßen genießen
Doch auch Bio-Rinder rülpsen, auch wenn sie im Vergleich zur Massentierhaltung auf Öko-Höfen ein besseres Leben haben. Sie haben Zeit und Ruhe zu wachsen, deutlich mehr Platz und Auslauf und werden nicht vorbeugend mit Medikamenten behandelt. Außerdem erhalten sie überwiegend bis ausschließlich auf dem Hof angebautes Futter in Bio-Qualität. All dies kostet Geld, was sich im Preis gegenüber der Ware aus Massenhaltung spiegelt. Schon deshalb, weil Bio-Fleisch in der nachgefragten Menge nicht produziert werden kann, denn so viel Vieh kann nicht artgerecht gehalten und nach Ökologischen Richtlinien gefüttert werden. Logische Konsequenz ist es also, Fleisch wieder als „Luxusgut“ zu betrachten, das man in guter (Bio-)Qualität, zu entsprechendem Preis, maximal zwei- bis dreimal pro Woche genießen sollte. Verzichten oder zum Vegetarier werden, muss keiner. Schon wer weniger Fleisch ist, wird feststellen, dass er Schnitzel, Gyros und Gulasch schon bald sowohl mit dem Gaumen wie auch mit gutem Gewissen, ganz anders genießen kann.
Schon gewusst?
Seit Jahren arbeiten Agrarforscher daran, den Methanausstoß von Rindern zu verringern. Paradoxerweise produzieren gerade „glückliche Viecher“, die auf Weiden grasen, besonders viel von dem klimaschädlichen Gas, denn Gras enthält viel Zellulose, bei dessen Abbau die Mikroorganismen im Kuhmagen mehr Methan produzieren als beim Verdauen von Mais oder Getreide. Andererseits schlägt jedoch auch der Anbau von Futterpflanzen in der Klima- und Umweltbilanz mit Stickstoffdünger und Pestiziden zu Buche. Abhilfe brächte beispielsweise die Züchtung speziellen Klees, der methanärmer verdaulich wäre oder Tabletten mit Tanninen und Pflanzenextrakten, so die Lösungsvorschläge der Forscher. Würden die Menschen in den Industrieländern allerdings nur auf ein Viertel ihres derzeitigen Fleischkonsums verzichten, bräuchte man weniger Vieh. Und damit würden genauso viele Klimagase eingespart, wie mit den bisherigen Vorschlägen.