Die Sängerin Barbara Streisand benutzt Naturkosmetik seit 1975, und zwar Cremes und Lotionen von Starvisagist Ole Henriksen, der nach eigenen Angaben Kosmetik mit natürlichen Zutaten anbietet. Das Model Tatjana Patiz cremt und salbt sich mit Produkten der schwedischen Marke Hakansson, die auf pflanzliche Wirkstoffe setzt. Die TV-Köchin und Bio-Verfechterin Sarah Wiener, die Sängerin Madonna, die Schauspielerinnen Kate Winslet, Julia Roberts und Susan Sarandon schwören hingegen auf „echte“ Naturkosmetik verschiedener Anbieter.
Pseudo versus echt
Grüne Kosmetik hat die Badezimmer der Stars und Sternchen erreicht, wie man fast wöchentlich in Frauenzeitschriften, sei es Gala, Brigitte oder Frau im Spiegel, nachlesen kann. Doch handelt es sich bei genauerem Hingucken hierbei nicht immer um echte Naturkosmetik. Vielmehr muss man zwischen Pseudo-Naturkosmetik und echter unterscheiden. Pseudo, das sind sowohl die grünen Produkte von Ole Henriksen als auch die von Hakansson. Denn neben einigen pflanzlichen Wirkstoffen haben sie je nach Produkt und Anbieter überwiegend harte Chemie wie petrochemische Tenside, Silikonöle, PEG-Emulgatoren und Konservierungsstoffe in sich, wie „Öko-Test“ berichtete. „Pseudo“ sind aber auch die grünen Ableger der großen internationalen Kosmetikkonzerne. Hier werden in der Regel synthetische Cremegrundlagen wie Paraffine und Silikonöle mit natürlichen Stoffen versetzt und das ganze als Natur verkauft. Bei „echter“ Naturkosmetik, den Favoriten von Sarah Wiener, Madonna, Kate Winslet, Julia Roberts und Susan Sarandon handelt es sich hingegen um seriöse Naturkosmetikprodukte, die schon seit vielen Jahrzehnten im ökologischen Fachhandel der Naturkostgeschäfte und Reformhäuser angeboten werden, lange bevor Natur und Bio „In“ waren.
Genaues hingucken tut also Not, möchte man nicht einem der zahlreichen Pseudo-Naturkosmetik-Produkte auf den Leim gehen. Doch was heißt hier eigentlich echt? Unabhängige verbindliche Vorschriften seitens der EU, was sich Naturkosmetik nennen darf und was nicht, wie sie für pflanzliche und tierische Bio-Lebensmittel existieren, gibt es bisher nicht. Jedoch hat sich ein grüner Standard etabliert, der vom Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel, kurz BDIH, entwickelt wurde. Die BDIH-Richtlinien schreiben unter anderem für „kontrollierte Naturkosmetik“ vor, dass bei der Herstellung möglichst Rohstoffe aus biologischem Anbau oder kontrollierter Wildsammlung verwendet werden sollen. Synthetische Fette, Duft- und Farbstoffe sind verboten, ebenso wird auf gentechnische Verfahren verzichtet (siehe Kasten: „Das darf in Naturkosmetik stecken“). „Das Label „BDIH Kontrollierte Naturkosmetik“ bietet Verbrauchern, die echte Naturkosmetik kaufen möchten, eine gute Orientierung“, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe Naturkosmetik beim BDIH, Heinz-Jürgen Weiland-Groterjahn.
Nicht 100 Prozent Bio
Doch ein echtes Bio-Produkt ist „kontrollierte Naturkosmetik“ darum nicht. „Das Siegel stellt nur den kleinsten gemeinsamen Nenner dar“, betont der Naturkosmetikpionier und new ethics Gründer Rainer Plum. Er kritisiert, dass es bei den BDIH-Produkten keine verbindlichen Vorgaben über den Bio-Anteil in den Produkten gibt. Pflanzliche Rohstoffe sollten den Richtlinien zufolge „soweit möglich“ aus kontrolliert biologischem Anbau oder zertifizierter Wildsammlung stammen. Lediglich 13 Pflanzen und Öle, von Brennnessel über Kamille und Olivenöl bis hin zu Soja- und Sonnenblumenöl müssen derzeit verbindlich aus kontrolliert biologischer Erzeugung sein. Rainer Plum fordert dagegen seit Jahren, dass alle bio-fähigen Rohstoffe (pflanzliche und tierische Rohstoffe) auch Bio oder zertifizierter Wildwuchs sein müssen. Das ist ohne Probleme machbar und für die Hersteller schon kurzfristig eine wirksame Abgrenzung zu Pseudo-Naturkosmetik.
Weiland-Groterjahn schätzt, dass zurzeit 95 Prozent der Kosmetika, die mit dem BDIH-Siegel ausgezeichnet sind, einen mehr oder weniger hohen Anteil an Bio-Zutaten in sich haben. Welche das genau sind, lässt sich in der Regel aus der Zutatenliste, der INCI-Deklaration, ersehen, die auf jedem Produkt steht. Dort wird meist mit einem Sternchen gekennzeichnet, welche Bio-Rohstoffe darin verarbeitet wurden. Lautet die Deklaration einer Tagecreme: wässrig-alkoholischer Ginkgoauszug, Olivenöl*, Sojaöl*, Distelöl*, pflanzliches Glycerin, Triglyceride, Fettalkohol etc., so bedeutet dies, dass die Öle aus Bio-Anbau stammen, die übrigen Zutaten aber nicht. Zwar lässt sich auf diesem Weg weitgehend nachvollziehen, was in der Creme nun Bio ist und was nicht. Jedoch lassen sich nicht alle Naturkosmetikanbieter in die Karten gucken. Bei immer noch vielen Herstellern sucht man die *** mit dem Bio-Hinweis in der INCI-Liste vergeblich.
Vorbildlich Bio
Doch es gibt auch Label, die den Bio-Anteil in der grünen Kosmetik verbindlich regeln. Sowohl der Anbauverband Demeter als auch Naturland machen in ihren Richtlinien konkrete Vorgaben, wie viel „Bio“ in ihren Produkten stecken muss. Dabei handelt es sich zwar auch nicht um ein staatliches Siegel, sondern um Verbandslabel, doch die Einhaltung der Kriterien wird kontrolliert. Die weltweit strengsten Richlinien für Naturkosmetik sind die Demeter-Richtlinien für Kosmetik. Sie schreiben vor, dass in Naturkosmetik-Produkten wie z. B. dem Demeter Ringelblumen Balsam mindestens 90 Prozent biologisch-dynamische (Demeter) Rohstoffe und insgesamt 100 Prozent Bio-Rohstoffe enthalten sein müssen. Damit sind automatisch chemisch-synthetische Stoffe und Zusatzstoffe jeder Art ausgeschlossen. Dazu muss man auch noch wissen, dass die Demeter Vorschriften für biologisch-dynamisch erzeugte Rohstoffe strenger sind als das, was die EU-Öko-Verordnung vorschreibt. (siehe auch unser Artikel „Wirklich alles Bio?“). Bei Naturland wird auf der einen Seite die Einhaltung der BDIH-Richtlinien für das Endprodukt gefordert. Zugleich müssen 95 Prozent der bio-fähigen Rohstoffe in Naturland-Bio-Qualität vorliegen.
Synthetik in der Bio-Creme
Auch bei Ecocert ist der Bio-Anteil verbindlich geregelt. Die unabhängige französische Kontrollorganisation Ecocert vergibt zwei Siegel, die auch einige hiesige Produkte zieren. Für das Ecocert-Siegel „Ökologische Naturkosmetik“ gilt: 95 Prozent der Inhaltsstoffe müssen natürlichen Ursprungs und 95 der pflanzlichen Rohstoffe „Bio“ sein. Das zweite Label, „Naturkosmetik“, steht ebenfalls für 95 Prozent Naturstoffe. Davon müssen aber nur 50 Prozent in Öko-Qualität vorliegen.
Unterm Strich heißt dies aber auch, dass die jeweils übrigen fünf Prozent der Stoffe synthetischer Herkunft sein können, was durch die Ecocert-Richtlinien leider nicht ausgeschlossen wird. Damit sind die Ecocert Label kein Garant für 100 Prozent Naturkosmetik. AS